Meine ersten Berührungen mit den germanischen Göttern, wenn man das überhaupt so nennen kann, hatte ich schon als kleiner Junge. Ich weiß nicht mehr ob mir die Mythen damals vorgelesen wurden oder ob ich sie schon selbst gelesen habe. Fest steht, dass ich sehr früh von Odin und seinem Gefolge hörte und davon fasziniert war.
Viele Jahre war ich zwar begeistert, von den alten Göttern und Helden, doch ich dachte mir nichts weiter dabei.
Ich wurde älter und vergaß.
Erst im Herbst 2003 kam ich zurück zu den Göttern und auch das mehr durch Zufall als aus Absicht.
Ich suchte damals im Internet nach einer Bauanleitung zu einem Schild, da ich sowas unbedingt als Zierde haben wollte. Ich fand zwar eine Seite, aber vergaß sie abzuspeichern. Bei meiner verzweifelten Suche danach kam ich auf die ersten heidnischen Seiten. Es ging um keltische Heiden und ich wollte unbedingt mehr wissen. So kam ich dann auch auf die Seite der Odinic-Rite. Als ich dort zu schmökern begann, beschlich mich das erste Mal ein Gefühl, das ich zuvor so nicht kannte. Je mehr ich erfuhr, um so mehr war ich mir sicher, dass dies das Richtige für mich sei.
Ich spürte beim Lesen auf der Seite der Odinic-Rite, dass mir meine Ahnen immer näher kamen. Also jetzt nicht im körperlichen Sinne, sondern vom Denken und vom Fühlen her.
Um das Osterfest wurde die Idee dann zu Gewißheit und ich beschloß in Zukunft das Christentum Christentum sein zu lassen. Es dauerte aber noch ein paar Wochen bis ich diesen Schritt für mich wirklich tun konnte.
Als erstes suchte ich im Internet nach einem Thorshammer, als Zeichen meiner Verbundenheit zu den Göttern. Ich fand viele schöne Repliken von Funden in Skandinavien und Island. Die meisten davon trafen aber nicht meinen Geschmack, entweder was das Aussehnen betraf oder das Material. Es mußte ein Hammer aus Silber sein, einer den ich zum ersten Mal sah und auf Anhieb sagen konnte: "Das ist er!" Nach ein einigen Tagen hatte ich ihn dann, meinen ersten Thorshammer und er kam am Tag nach der Sommersonnenwende mit der Post bei mir an.
Vorsichtig wickelte ich dieses glänzende Amulett aus einer riesen Menge Verpackungsmaterial aus. Da lag es nun und im ersten Moment wußte ich nicht so recht, was ich nun genau damit tun sollte. Doch dann schoß es mir durch den Kopf: Ich wollte Mittsommer nachfeiern und dabei den Hammer weihen.
Ich packte zusammen was mir wichtig schien. Bier, Brot, Käse und Wurst als Opfer und als Festessen. Ebenso kam der Thorshammer in die Tasche. Dann machte ich mich bei beginnender Abendämmerung auf den Weg zur Trasse der alten Pferdeeisenbahn, denn dort hoffte ich ein geeigntes Plätzchen zu finden. Wirklich ideal war es zwar nirgends, doch ich fand einen geeigneten Ort, der nicht direkt einzusehen war.
Ich packte das Mitgebrachte aus und bereitete alles vor. Thor bat ich um Schutz bei dieser Feier und lud sämtliche Asen, Vanen, Alben und meine Ahnen ein mit mir zu feiern. In diesem Augenblick spürte ich zum ersten Mal eine durch und durch gehende Verbundenheit mit den Göttern, ihren Helfern und vorallem mit meinen Vorfahren. Glücklich weihte ich mit dem Hammerzeichen erst meine Opfergaben und bat dann Odin und Thor meinen Hammer zu weihen, als Zeichen des Bundes zwischen ihnen und mir.
Der erste Schluck Bier gehörte den Göttern, ebenso die der erste Bissen vom Käse und von der Wurst. Danach kam ich und nahm mein Mittsommermahl zu mir. Als ich geendet hatte, bedanke ich mich bei den Asen, Vanen, Alben und meinen Ahnen nochmals, packte wieder zusammen und verlies diesen Ort. Innerlich aufgewühlt und doch glücklich kam ich wenig später wieder zuhause an.
Eines meiner schönsten Blots durfte ich bis jetzt bei Iswulf in Salzburg feiern. Damals waren wir eine Gruppe von vereinslosen Asentreuen. Bei diesem Blot war alles perfekt. Die Gegend am Fuße der Alpen, das Festmahl und der Ablauf des Blots generell. Dort war für mich das erste Mal der Runengesang Teil des Rituals und es war beeindruckend, anders läßt das sich nicht beschreiben.
Seit Jul 2006 bin ich Mitglied im Eldaring e.V. und seit Anfang des Jahres 2007 ebenfalls im Verein für Germanisches Heidentum e.V..
In beiden Vereinen liegt meine Wurzel. Asfrid vom VfGH war der erste Asatru den ich kennengelernt habe und der damals viele meiner Fragen beantwortete. Mit Baldur vom Eldaring feierte ich das erste Mal in einer größeren Gruppe ein Fest.
Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2009 und ich bin nur noch Mitglied im VfGH, da die inhaltlichen Unterschiede zwischen dem Eldaring und mir zu groß wurden. Nebenbei bin ich Mitglied eines Herdes des VfGH in dem ich den Großteil meiner Feste feiere.
9. Hornung 2012